Ökologisches und biologisches Bauen

Hydrophobierter Putz im BAD?

Hallo, bin gerade dabei, ein Bad zu renovieren. Beabsichtigt ist, nur die Nassbereiche zu fliesen, ansonsten alles verputzen. Halte nichts von Plastikputzen und Latexfarbe. Würde gerne einen Kalkzementputz verwenden und diesen dann mit Kalkfarbe streichen. In den ansässigen Baumärkten gibt es allerdings nur hydrophobierten Kalkzementputz. Eigentlich wollte ich gerade einen NICHT hydrophobierten Putz. Die im Baumarkt haben mich angeschaut, als wär ich ein Marsmensch. Den hätten sie noch nie verkauft. Einige Hersteller wie Maxit, quick-mix oder Rygol bieten aber alternativ auch NICHT wasserabweisende Varianten an. Meine Frage: Ich bin jetzt total verunsichert, was ich jetzt nehmen soll. Ist es nicht baubiologisch und überhaupt sinnvoller, einen NICHT wasserabweisenden Putz zu verwenden? Ich denke, ein Putz im Bad soll doch gerade nicht nur Wasserdampf sondern auch generell fähig sein, geringe Feuchtigeit aufzunehmen und auch wieder abzugeben. Wäre echt dankbar über nützliche Tipps und Infos zu diesem Thema. Danke im Voraus!

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  • Matthias M.
  1. Was erwarten Sie eigentlich von einem Putz im Bad ?

    Die Hydrophobierung sorgt doch nur für einen oberflächigen Abperlschutz ohne Einschänkung der Athmungsaktivität des Putzes. Schadet doch nix im Bad, oder?

  2. Ist Hydrophobierung keine Einschränkung?

    Vielen Dank für die schnelle Antwort. Nun, es gibt auch andere, die behaupten, Hydrophobierung sei nicht immer sinnvoll. Ganz abgesehen davon, mit welchen Zusatzstoffen diese erziehlt wird. Da ich ja auch in einem Forum bin, in dem es um ökologisches Bauen geht, darf die Frage erlaubt sein, ob eine Hydrophobierung erstens ökologisch aber auch praktisch vertretbar ist. Ich denke, es macht schon einen eindeutigen Unterschied, ob der Putz auch bis zu einem gewissen Grad Wasser aufnehmen kann oder nicht. Was ist, wenn sich Risse bilden und Feuchtigkeit ins Mauerwerk eindringt? Kann diese Feuchtigkeit dann bei hydrophobiertem Putz genauso schnell und leicht wieder abgegeben werden? Weiß nicht, hab mir das mal von einem ökobau-überzeugten Menschen erklären lassen und die Argumentationsschiene hat mich schon überzeugt. Auch physikalisch und so. Allerdings komme ich dann immer ins Grübeln, wenn ein Dipl.-Ingenieur wie z. B. sie, Herr Tilgner, das ganze relativ unproblematisch sehen. Und Sie kennen sich sicherlich aus. Ich tue mich einfach schwer, wenn ich auf der einen Seite die natürlichen und vorteilhaften Eigenschaften von z. B. REINEM Kalkputz sehe ohne künstlichen Zusätze und auf der anderen Seite diesen aus meiner Sicht sehr fragwürdigen Praxis, sich in seinem Wohnraum Plastik ect. an die Wand zu putzen. Ich hinterfrage eben alles sehr stark, vor allem auch aus ökologischer Sicht. Wahrscheinlich übertreibe ich auch. Wenn ich nichts anderes finde, nehm ich halt den hydrophobierten Putz. Auch wenn ich irgendwie nicht so überzeugt davon bin. Sie sind der Sachverständige! :-)
    Vielen Dank für Ihre Meinung.

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    • matthiasm.
  3. Viele Theorien dafür und dagegen

    Die Idee mit der Feuchtebewegung im Riss ist natürlich bekannt. Ist in einer schlagregenbeanspruchten Außenwand ein Riss im Außenputz vorhanden, so trocknet dieser am besten, wenn der Fassadenputz nicht hydrophobiert ist. Bei hydrophobierten Putzen wird die Ablüftung über Risse eingedrungener Feuchtigkeit verzögert, nicht aber verhindert.

    Vorteil einer Hydrophobierung: Die saugende Wirkung des Putzes wird in der gesamtfläche reduziert. Insbesondere in Spritzwasserbereichen kann dies sehr hilfreich sein. Dort perlt das Wasser an der Oberfläche ab ohne Putz und Mauerwerk lange zeit zu durchfeuchten und evtl. sogar zu Salztransporten im Mauerwerk und im Putz zu führen.

    Stellen Sie sich nun nochmals die Frage: Könnte der Putz im Bad bei normaler Nutzung spritzwasserbeansprucht werden? Dann sollten Sie den hydrophobierten Putz wählen. Wenn alle Spritzwasserbereiche gefliest werden, dann brauchen Sie für die Oberwandbereiche tatsächlich keinen hydrophobierten Putz.

  4. Vielen Dank für die differenzierte Antwort. ...

    ... Im absoluten Spritzwasserbereich wie Waschbecken, Klo und Dusche wird ohnehin gefliest. Dazu wird ja hinter den Fliesen der Dusche auch noch mit irgendeiner Dichtungsmasse abgedichtet und die Duschwanne selbst auch glaub ich dreifach silikoniert. Ich denke, für mich wäre es dann vertretbar, wenn im restlichen ungefliesten Bereich kein hydrophobierter Putz ist und der hauptsächlich anfallende Wasserdampf einfach auf natürliche Weise aufgenommen und abgegeben wird. Sollten mal ein paar Tropfen auf den Putz kommen, wird der das schon aushalten, er wird ja nicht dauerberieselt. Sollte ich kurzfristig noch einen nicht hydrophobierten bekommen, nehm ich ihn. Das Problem ist eben, dass man in den hiesigen kleinen Baumärkten gar nicht die Wahl hat, auszuwählen. Da wird in der Regel einfach nur hydrophobiert angeboten, weil man das einfach immer so verkauft und so gemacht hat und weil es in der Regel so propagiert wird, ohne wie Sie zu differenzieren. Ich halte einfach in der Regel nichts von diesen chemischen und künstlichen Dichtigkeitsystem, wie auch z. B. Dampfsperre im Vergleich zu Dampfbremse oder auch Außenwärmedämmung mit diesen tollen "ökologischen" Materialien. Ich brauche Ihnen ja nicht erzählen, dass da kaum Fehler erlaubt werden. Wenn da mal kein Wasser rein kommt.... Das kann doch kein Mensch garantieren an der Außenwand. Aber jetzt schweife ich ab. Danke Herr Tilgner für Ihre Differenzierung. MFG Matthias Mader

    Name:

    • MatthiasM.
  5. Nicht vergessen

    Lese da gerade etwas von reinem Kalkputz und Fliesenbelag : ein reiner Kalkputz lebt davon, dass er ständig mit dem CO2 aus der Umgebungsluft in Verbindung steht, da er sonst zerfällt. Hier würde ich noch mal beim Hersteller für Absicherung sorgen. Im Übrigen gebe ich Ihnen recht, ein bischenFeuchtigkeit macht dem Putz nichts aus

  6. Danke für den Hinweis. Ursprünglich wollte ...

    ... ich auch reinen Kalkputz von HAGA nehmen. Ein Vertreter der Firma meinte auch, dass der Putz auch unter Fliesen kein Problem sei. Allerdings hat mir mein Ökobau-Berater auch geraten, sicherheitshalber hierfür Kalkzementputz zu verwenden. Und deswegen nehme ich fürs ganze Bad jetzt den gleichen Putz, also überall Kalk-Zement-Putz. Reinen Kalkputz habe ich nur als Beispiel im Gegensatz zu "Plastikputzen" für eine mögliche natürliche Art eines Wandputzes im Bad ohne irgendwelche künstlichen Zusätze angeführt, um darzustellen, dass eine künstliche Hydrophobierung eigentlich überhaupt nicht notwendig ist, aus meiner Sicht oftmals sogar nachteiliger. Aber da gehen die Meinungen auseinander.

    Name:

    • MatthiasM.

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