Energiesparendes Bauen / Niedrigenergiehaus

Dichtigkeit Hebe-Schiebetür

Hallo,

wir haben Anfang Dezember 2011 eine neue Hebe-Schiebetür in unserem Niedrigenergiehaus montieren lassen und danach eine Thermografie erstellen lassen (siehe Datei im Anhang).

Meine Frage: Auf der Thermografie wird ersichtlich, dass der Mittelstoßbereich zwischen dem Schiebe- und Festflügel relativ undicht ist und Kälte durchlässt, ebenso wie der obere horizontale Stoßbereich des Schiebeflügels (siehe Wärmebild). Man spürte im Januar regelrecht die kalte Luft durchziehen. Ist dies nun normal oder nicht? Auf Anraten des Energieberaters, der die Thermografie durchgeführt hat, haben wir dies beim Hersteller beanstandet, bisher ohne Erfolg.

Hier die Beschreibung der Hebe-Schiebetür: Marke Schmidt, Modell QuinLine, Dreifachverglasung, UW-Werte bis 0,73 W/(m²K), drei Dichtungsebenen zwischen den Stößen (siehe http://www.schmidt-boke.de/system_quinline_produkt.htm). Die Außentemperatur betrug 8°C während der Aufnahmen, ca. 22°C innen.

Die Türe wurde uns als passivhaustauglich angeboten, aber unser Energieberater ging so weit zu behaupten, dass die Verluste durch die Stöße den Mehrwert der Dreifachverglasung vollkommen aufheben würden.

Vielen Dank im Voraus!

Anhang:

Der Beitragsersteller hat versichert, dass der Anhang selbst erstellt wurde und keine Rechte verletzt.

Name:

  • StephB
  1. schönes Bild

    ...aber um zu beweisen, dass die Tür undicht ist, brauchen Sie eher einen blower-door-test.

  2. Warum?

    Es handelt sich hier um ein im Jahr 2008 fertiggestelltes Gebäude (wurde bereits 2007 einem kompletten Blower-Door-Test unterzogen), in dem Ende 2011 lediglich die Hebe-Schiebetür ersetzt wurde.

    Vor und während der Thermografie ist über die Belüftungsanlage ein konstanter Unterdruck erzeugt worden, so dass die Präsenz undichter Stellen ausreichend nachgewiesen werden konnte oder nicht? Ein Blower-Door-Test hätte doch - neben der Lokalisierung der Leckagen - höchstens eine Aussage zur Luftwechselrate des gesamten Gebäudes liefern können, oder?

    Und auch ohne Unterdruck konnte im Winter ein leichter Luftzug per Hand festgestellt werden, da wäre ein Blower-Door-Test doch eigentlich überflüssig gewesen, oder?

  3. Habe inzwischen die folgende Reaktion des ...

    ... Herstellers erhalten:

    "in Bezug auf die hier aufgeführte Thermografie erhalten Sie folgende Stellungnahme:

    In erster Linie stellt sich zunächst die Frage, bei welcher Außen- bzw. Innentemperatur die Aufnahmen erstellt wurden. Gibt es einen bestimmten Anlass für die Beanstandung der Oberflächentemperaturen? Diese liegen gemäß der beiden Bilder bei min. 16,1°C bzw. 14,8°C.

    Die ungleichmäßige Verteilung der Oberflächentemperaturen bei der Hebeschiebetür ist konstruktiv bedingt, speziell durch den Ebenenversatz zwischen dem äußeren und dem inneren Flügel.

    Der Mittelstoßbereich zwischen dem Schiebe- und Festflügel wird durch die vertikal angeordneten Mittedichtleisten und EPDM-Dichtungen geschlossen. Der Querschnitt der PVC-Mitteldichtleisten ist jedoch nicht mit den Querschnitten von Blend- und Flügelrahmen zu vergleichen, ansonsten würde sich sowohl die Ansichtsbreite des Mittelstoßes als auch die Gesamtbautiefe der Tür extrem vergrößern. Dies würde bedeuten, dass die Tür aus Sicht der Montagemöglichkeit und der Optik nicht marktgerecht wäre. Folglich handelt es sich bei der Ausführung des Mittelstoßes immer um einen bestmöglichen Kompromiss zwischen Funktionalität und Optik, was wiederum den Stand der Technik der Hebeschiebetür widerspiegelt.

    Der untere Schwellenbereich wird demgegenüber nicht nur von der versetzten Profilkonstruktion, sondern im starken Maße auch vom Baukörperanschluss beeinflusst. Trotz 2-fach thermischer Trennung der Alu-Bodenschwelle kann die Oberflächentemperatur je nach Einsatzfall erheblich schwanken.

    Des Weiteren ist anzumerken, dass es keine konkreten Anforderungen an das Bauteil "Fenster / Fenstertür" hinsichtlich der Oberflächentemperatur gibt. Nach DINA 4108-2 wird lediglich eine Mindestanforderung an den Baukörperanschluss gestellt, welcher eine Oberflächentemperatur von +12,6 °C nicht unterschreiten sollte. Fenster / Fenstertüren sind davon ausgenommen. D.h., für die Hebeschiebetür, die laut Produktnormen zu der Gruppe der Fenster- und Fenstertüren zählt, gilt diese Anforderung als solches nicht. Für sie gilt die DINA EN ISO 13788. Aber auch in dieser Norm sind keine Grenzwerte genannt.

    Fazit: Die hier aufgezeigten Oberflächentemperaturen bei der Hebeschiebetür liefern keineswegs ein Hinweis darauf, dass die Türkonstruktion mangelhaft ist. Vielmehr sind die Einflussfaktoren zu überprüfen bzw. zu minimieren."

    Viel anfangen kann ich damit eigentlich nicht... Der Anlass für die "Beanstandung der Oberflächentemperaturen" war ganz einfach die Tatsache, dass 1.) die Thermografie gezeigt hat (Schlussfolgerung des Ingenieurs, der die Thermografie durchgeführt hat), dass an den Stössen im Vergleich zum restlichen Gebäude ein anormaler Temperaturabfall vorliegt und dass wir infolgedessen 2.) per Hand einen Luftzug bemerkt haben. Den Temperaturabfall im unteren Schwellenbereich haben wir gar nicht beanstandet, diesen hat der die Thermografie ausführende Ingenieur als normal eingestuft. Ich finde, dass es sich der Hersteller etwas leicht macht, wenn er darauf verweist, dass keine Grenzwerte in den Normen genannt werden. Auf seiner Webseite bezeichnet er seine Schiebetür als passivhaustauglich. Zuguterletzt kann ich auch mit dem Fazit nicht viel anfangen, dass "die Einflussfaktoren zu überprüfen bzw. zu minimieren" sind. Was könnte damit wohl gemeint sein?

  4. gehen sie zurück auf meine letzte Antwort und würfeln Sie erneut...

    ...denn die Runde mit der Thermografie hat ihnen offensichtlich im Disput mit dem Hersteller nicht geholfen. Offenbar ging aus Ihrer Mängelanzeige nicht klar genug hervor, dass Sie während der Thermografie die Lüftungsanlage mit leichtem Unterdruck laufen hatten und die blau-schwarzen Schatten somit nicht Oberflächentemperaturen der Rahmenprofile darstellen sondern Kaltluftschleier aufgrund unzureichender Dichtigkeit. Der Profilhersteller behauptet deshalb zu Recht, dass die thermografierten Oberflächentemperaturen noch kein Hinweis auf Dämmmängel an den Rahmen sind. Es wurde somit am Thema vorbei diskutiert, denn es geht ihnen ja eigentlich nicht um Dämmung sondern um unzureichende Luftdichtigkeit der thermischen Gebäudehülle im Bezug auf die Fenstertür
    UND GENAU DAS KÖNNTEN SIE MIT EINEM BLOWER-DOOR-TEST NACHWEISEN, wenn Sie bei einer Unterdruckmessung mit einem Anemometer die entsprechenden Fugen abfahren und die Messergebnisse sachverständig fotodokumentieren und protokollieren.

  5. Wenn Leckagen Leckagen mittels Thermografie ...

    ... Wenn Leckagen Leckagen mittels Thermografie nachgewiesen werden sollen, braucht es m.E. eine so genannte "Nullmessung" und dann eine Messung unter Druckbeaufschlagung.

    mit Nullmessung meine ich eine Messung ohne Druckdifferenz zwischen innen und außen. Eine weitere Messung nach ausreichend langer Druckbeaufschlagung zeigt dann zusätzliches Auskühlen, die dann qualifiziert Undichtheiten zugeordnet werden können.

    Aber es ist schon richtig: Schiebetüren sind konstruktionsbedingt etwas undichter. Aber ich habe noch keinen Fall erlebt, bei der diese Undichtheit so stark war, dass eine Beeinträchtigung der Behaglichkeit zu erwarten gewesen wäre. Es waren in der Regel immer sehr geringe Leckageluftströme, die in geringer nutzungstypischer Entfernung zum Fenster schon nicht mehr spürbar waren.


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