Hallo Fachleute, wir haben folgendes Problem:
Einige Kellerwände (gemauert, ca. 40 bis 68cm dick) unseres ca. 90 Jahre alten Hauses sind feucht (zum Teil 100% Feuchtigkeit). Die Feuchtigkeit steigt höchstwahrscheinlich von unten auf und hat mittlerweile das Erdgeschoss erreicht. Eine Vertikalsperre ist vorhanden, u.U. aber nicht völlig einwandfrei.
Um das Problem der aufsteigenden Feuchtigkeit in den Griff zu bekommen, haben wir nun zwei Firmen befragt. Beide Firmen schlagen übereinstimmend vor, mittels Druckinjektion eine Horizontalsperre zu setzen. Beim Verfahren bzw. beim Injektionsmittel wird von beiden Firmen jedoch eine unterschiedliche Auffassung vertreten: zum einen wird eine Silikonemulsion vorgeschlagen, zum anderen ein Acrylatgel.
Wir fragen uns nun, ob
- eine Druckinjektion überhaupt sinnvoll ist, und, wenn ja,
- welches der genannten Mittel eher in der Lage ist, unser Problem zu lösen und
- ob es vielleicht bessere Verfahren / Mittel ("Harze"?) für die geschilderte Situation gibt.
Interessieren würde mich auch, ob jemand unter gleichen / ähnlichen Bedingungen Erfahrungen mit Acrylatgel gemacht hat.
Im Voraus vielen Dank für konstruktive Beiträge!
Name: Johannes H.
Horizontalsperre11.07.06
Gut geeignet ist das sehr niedrigviskose PU-Injektionsharz Webac 1401 mit einer Viskosität von 45mPa-s. Hat bisher bei mir immer funktioniert.
mfg.
Name: Jürgen HoppensackE-Mail-Adresse anzeigenhttp://www.aquatex-gmbh.de
Hallo Herr Hoppensack,
vielen Dank für Ihren Hinweis. Warum bevorzugen Sie das genannte Injektionsharz gegenüber z.B. Acrylatgel?
Freundliche Grüße
Johannes H.
Horizontalsperren12.07.06
mit PU-Harz habe ich schon vielfach erfolgreich durchgeführt. Acrylatgele verwende ich für Schleierinjektionen. Habe daher keine eigenen Erfahrungen ob´s damit auch klappt.
mfg.
Name: Jürgen HoppensackE-Mail-Adresse anzeigenhttp://www.aquatex-gmbh.de
aufsteigende Feuchtigkeit?13.07.06
Hallo erstmal,
ich möchte auf die Fragen mit Fragen reagieren, bevor ich eventuell auch meine Meinung schreiben kann.
_ Woher haben Sie die Festlegung, daß es sich um auftseigende Feuchtigkeit handelt bzw. daß die wohl vorhandene Horizontalsperre defekt ist?
_ Und um welche Feuchtigkeit handelt es sich bei der Angabe '100% Feuchtigkeit'?
_ Haben Sie Alternativen zu den Injektionsverfahren ebenfalls erwogen?
Mit freundlichen Grüßen
Uwe Berghammer
Name: Uwe BerghammerE-Mail-Adresse anzeigenhttp://www.lehmwandheizung.de
Hallo Herr Berghammer!
Aufsteigende Nässe: Wir haben zwei Firmen befragt, beide tippen auf aufsteigende Nässe.
100%: Die Firmen haben auch die Feuchtigkeit im Mauerwerk gemessen, mittels elektrischer Geräte (keine Bohrmehlmethode) und an mehreren Stellen haben diese Geräte - die lt. Firmenaussage bis zu 7cm tief in den Stein hinein messen - 100% Feuchtigkeit angezeigt.
Alternativen: Na ja, also aufsägen und Sperre einschieben wollen wir nicht ...
Freundliche Grüße
Johannes H.
Hallo Herr Berghammer!
Aufsteigende Nässe: Wir haben zwei Firmen befragt, beide tippen auf aufsteigende Nässe.
100%: Die Firmen haben auch die Feuchtigkeit im Mauerwerk gemessen, mittels elektrischer Geräte (keine Bohrmehlmethode) und an mehreren Stellen haben diese Geräte - die lt. Firmenaussage bis zu 7cm tief in den Stein hinein messen - 100% Feuchtigkeit angezeigt.
Alternativen: Na ja, also aufsägen und Sperre einschieben wollen wir nicht ...
Freundliche Grüße
Johannes H.
" Getippt " ist er richtige Ausdruck13.07.06
Wenn Sie es genau wissen wollen und so günstig wie möglich arbeiten wollen, sollten Sie schon etwas mehr Aufwand in die Voruntersuchungen stecken. So eine Horizontalsperren ist schnell verkauft. Wenn das Mauerwerk wassergesättigt sein sollte, dann wirds ohne Vortrocknung sicherlich auch im Hochdruckverfahren nix it einer funktionierenden Sperre. Schon an Kondenswasser gedacht? Mit den Messgeräten und etwas "guten" Willen messen Sie auch eine trockene Wand absolut nass. die Salze in der alten Wand helfen Ihnen dabei. Die Geräte zeigen normalerweise auch Digits an, etwas ohne Einheit ohne daraus eine %Zahl ermitteln zu können. Sind die Innenwände auch Feucht? Wurden Oberflächentemperaturen und Luftfeuchte gemessen? Wurden Proben vom Putz für eine Salzbestimmung entnommen? Etwas mehr Mühe sollten sich die Jungs schon geben.
Gruß
Name: Thomas MuellerE-Mail-Adresse anzeigen
Weitere Details: Oberflächentemperaturen und Luftfeuchte13.07.06
Hallo Herr Mueller!
Oberflächentemperaturen wurden nicht gemessen, die Luftfeuchte schwankt so zwischen 55 und 70 Prozent. Kondenswasser würde ich aber eher ausschließen, da der Keller regelmäßig (und richtig) belüftet wird.
Dass die Wände nass sind, ist m.E. jedoch offensichtlich, da die Feuchtigkeit inzwischen das EG erreicht hat und an den betroffenen Stellen Kondenswasser / fehlende Lüftung definitiv nicht in Frage kommt.
"Vortrocken": Hier haben wir auch Bedenken, ob die Inkjektionsmittel funktionieren, wenn das Mauerwerk tatsächlich vollständig wassergesättigt ist. Andererseits haben wir überlegt, evtl. nach dem Setzen der Horizontalsperre einen Luftentfeuchter laufen zu lassen.
Freundliche Grüße
Johannes H.
erst den Patienten untersuchen, dann operiereren !!!13.07.06
Guten Tag Johannes,
.
es ist tatsächlich so, dass zuerst eine Bauzustandsanalyse durchgeführt werden muss. Elektrische Messgeräte können eine Bauzustansanalyse nach WTA-Merkblatt (Feuchtebilanz, Salzanalyse usw.)nicht ersetzen.
.
Ohne Voruntersuchung ist der Einbau reine Glückssache und mit vielen Risiken behaftet. Insbesondere ist für das Injektionsverfahren der Durchfeuchtungsgrad von Bedeutung.
.
In grassen Fällen wurden funktionstüchtige Bahnenabdichtungen durch den Einbau von funktionsuntüchtigen Mauerwerksinjektionen zerstört.
.
Viele Grüße
Name: Uwe WildE-Mail-Adresse anzeigenhttp://www.svbuero-bau.de
es ist eigentlich alles gesagt...13.07.06
Guten Abend,
_ mittlerweile wurden bereits ausreichend Hinweise für eine sinnvolle Herangehensweise gegeben. Da ich Details erfragt habe, möchte ich auch noch einmal reagieren.
_ Die Ursachen für Feuchtigkeiten können vielfältig sein und erfordern im Vorfeld eine solide Analsyse, um unnötige und teure Verfahren begründet anzuwenden. Oft genug ist mit einer Reihe von flankierenden Maßnahmen eine preiswertere aber längerfristige Lösung möglich. Auftretende Feuchtigkeiten sind nie ausschließlich 'aufsteigender Art'. Hier gilt es zu differenzieren.
_ Ohne pauschalisieren zu wollen, sollte auch darauf hingewiesen werden, daß häufig 'Fachkräfte' aus der 'Injektionsbranche' ohne den Hinweis auf flankierende Maßnahmen agieren, ein Wissen bzw. ein Erschließen von Alternativen teilweise völlig fehlt. Warum die Feuchtigkeit bereits bis zum Erdgeschoß reicht, liegt nicht zwingend an einer fehlerhaften Horizontalsperre. Es ist nur eine von vielen Möglichkeiten.
_ Meine Empfehlung: suchen Sie sich einen Fachmann auf diesem Gebiet und investieren Sie in ein kleines Honorar. So lassen sich in den meisten Fällen auch einige tausend Euro sparen...
Mit freundlichen Grüßen
Uwe Berghammer
Name: Uwe BerghammerE-Mail-Adresse anzeigenhttp://www.lehmwandheizung.de
Guten Morgen!
Zuerst einmal an alle herzlichen Dank für die Hinweise!
Herr Wild: Bis zu welchem Durchfeuchtungsgrad sind Injektionsverfahren denn überhaupt wirksam?
Herr Berghammer: Das "kleine Honorar" ist nicht das Problem, der "Fachmann" schon - vor allem, wenn's ein unabhängiger sein soll ...
Lassen Sie mich meine Frage aber nochmal anders formulieren:
Gesetzt den Fall, das Setzen einer Horizontalsperre ist sinnvoll, wäre dann eine Silikonemulssion bzw. das von Herrn Hoppensack empfohlene Injektionsharz einem Polyacrylatgel vorzuziehen? Hat jemand Erfahrung mit dem Einsatz von Acrylatgel bei Horizontalsperren?
Freundliche Grüße
Johannes H.