Schimmel im Keller - und 100 völlig verschiedene Lösungen...01.05.09
Hallo,
ein knappes Jahr nach einer Keller-Renovierung tauchte bei uns Schimmel an verschiedenen Stellen auf. Wir haben mittlerweile Gutachter und verschiedene auf Trockenlegung spezialisierte Firmen dagehabt und sind so schlau wie vorher: Viele widersprüchliche Aussagen, unterschiedliche Lösungsansätze. Keiner überzeugt mich völlig.
Bausubstanz:
Keller Bj 1956, Aussenwände der damals übliche Magerbeton auf Streifenfundament, Boden in einem Raum Gußasphalt auf Schlacke, im zweiten Raum Beton ca. 5cm direkt auf Lehmboden. Erdniveau außen auf der einen Seiten ca. bei 1,5m Raumhöhe, auf der anderen bei 0,5m. Nutzung als teilweise bewohntes Gästezimmer, aber evtl. spätere Nutzung als Kinder-/Jugendzimmer
Problem: Schimmelbefall sowohl an Aussen-, als auch an Innenwänden im Bodenbereich. Gab es auch schon vor der Renovierung, allerdings hatten wir da einen großen Schrank quasi ohne Luft an der Aussenwand stehen, sonst gab es keine Probleme.
Analyse: Lokal feuchte Wände von unten her, mit steigender Raumhöhe abnehmend (auch an den im Erdreich stehenden Wänden). Habe an zwei Stellen den Boden im Wandbereich aufgestemmt, bei beiden Stellen feucht bis nasser Lehm (eine Stelle an der Außenwand, eine an der Innenwand mit gut 2m Abstand zur nächsten Aussenwand).
Lösungsansatz vom Profi 1 (ohne Feuchtigkeitsmessung, nur Augenschein): Aussenabdichtung mit Dickschichtanstrich, Bitumenbahn...
Lösungsansatz vom Profi 2 (mit Messgerät): Abdichtung der Außenwände von innen. Putz entfernen bis 50cm über Erdniveau (Innenwände nur 50cm hoch), dann Dichtschlamm und Sperrmörtel dann Sanierputz, im Wand/Bodenbereich Hohlkehle, auf Boden zusätzlich Betonestrich. Injektionsverfahren wurde kurz andiskutiert, aber dann verworfen.
Und jetzt die Fragen:
a) Mir leuchtet zwar ein, dass man die Feuchtigkeit am besten gar nicht erst ins Mauerwerk eindringen lässt, aber wie hilft die Aussenabdichtung an den auch feuchten Innenwänden?
b1) Aussage vom Profi 2: In Beton zieht kein Wasser nach oben. Aussage von Profi 1: In Magerbeton schon. Was stimmt denn? Wenn Wasser hochzieht, reicht mir eine Aussenabdichtung nicht, weil trotzdem von unten Wasser hochkommt.
b2)Wenn kein Wasser hochzieht, braucht es keine Horizontalsperre, aber wieso muß ich dann die Innenabdichtung so weit hochziehen? Immer unter der Annahme, dass das Wasser nicht direkt von aussen durch die Wand kommt, was die Messungen nahelegen
b3) Die Aussage mancher Experten, dass die Feuchtigkeit im Spalt zwischen dem Streifenfundament und dem nachträglich eingebrachten Boden hochsteigt und dann im Putz hochzieht, klingt für mich plausibel.
Was mich zu einem Lösungsansatz führt, der alle Risiken ausschliessen soll, aber den Charm von viel Eigenleistung hat:
*Aussenabdichtung wie oben.
*Horizontalsperre mit Injektionsverfahren bis ca 30cm über Boden
*Übergang Boden/Wand Hohlkehle mit Sperrmörtel/Dichtschlamm
*Boden dito plus Betonestrich
Damit hätte ich dann die Feuchtigkeit aus der Wand raus, und im Bodenbereich zumindest nicht im Raum. Voraussetzung ist natürlich, dass die Verbindung zwischen Aussenabdichtung und Wand mit Injektion dicht ist, und dass Wand mit Injektion zur Hohlkehle dicht abschliesst.
Kommentare zur Idee und zu den obigen Fragen herzlichst willkommen.
Gruß Kai
Name: Kaivi
Gutachter02.05.09
Hallo
Was haben denn die Gutachter gekostet ?
Ich vermute mal es waren "kostenlose" Produktverkäufer...
.
zu dem Problem;
Dieser Keller war und ist nicht für eine Nutzung als Wohnraum geeignet, da helfen auch noch so schöne Prospekte nicht.
Wenn überhaupt, kann man (oder Frau) mit entsprechendem finanziellen Aufwand versuchen eine Verbesserung zu erreichen, wobei als erstes einmal die Ursache gefunden werden muss (nicht durch "Handauflegen" usw. sondern mit der entsprechenden Messtechnik und dem Wissen ihrer Anwendung), eventuell ist es "nur" Tauwasser.
Mein Tipp;
Alle organischen Stoffe wie Gipsputze, Gipskarton, Laminat, Kork, Tapeten, Dispersionsfarben usw. raus.
Die Wände desinfizieren (keine "Chlormittel") und ein Neuaufbau mit dafür geeigneten Stoffen...
Anschließend wieder eine Nutzung als "Lagerkeller"...
.
Gruß
Name: Michael LehmannE-Mail-Adresse anzeigenhttp://www.nlbauservice.de
Kellernutzung - Fragen vorab04.05.09
Hallo Kai,
vorab ein paar Fragen:
- Wie wurde der Keller seit der Renovierung gelüftet?
- wie wurde geheizt? Dauerhaft, in Intervallen?
- Gibt es Waschmaschine oder Trockner im Keller?
- Wie oft wurden die Räume benutzt?
Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer
Name: Christoph KornmayerE-Mail-Adresse anzeigenhttp://www.kornmayer.com
Herr Lehmann hat fast recht, aber warum soll daraus nur ein Lagerkeller werden?04.05.09
Lagerkeller für was?
Wenn nichts fault und kein Schimmel entsteht kann doch der Raum hochwertig genutzt werden!
Es muss halt das Problem gelöst werden was ja einfach ist.
Lesen Sie doch mal mein Buch "Gesund wohnen in Altbauten", dann verstehen Sie auch warum dies kein Problem mehr ist.
Ich würde auch auf Tauwasser schließen, denn dies ist erstmal logisch.
"Aufsteigende Feuchte" bei Beton ist zu vernachlässigen und bedarf keinerlei Sperre!
Aber warum kommt von unten die Feuchte?
Na weil es unten eben am kühlsten ist.
Wie kann man weiterhelfen?
Messen Sie doch einfach mal im Keller die Feuchte und die Temperatur mit einem Thermohygrometer über einige Tage.
Berichten Sie uns welche Temperatur und welche Feuchte im Raum vorhanden ist.
Das Gerät ungefähr auf 1,5mtr Höhe und im Innenbereich aufhängen.
Alles andere ist im Moment unausgegoren und fragwürdig.
Weiterführende Links:
- http://www.matzner-messgeraete.de/html_de/produkte/thermo-hygrometer_th503.html
Name: Edmund BrommE-Mail-Adresse anzeigenhttp://www.isarbautenschutz.com
zu den Rückfragen05.05.09
Hallo zusammen,
nachdem jetzt meine Registrierung da ist bemühe ich mich, die Rückfragen zu beantworten:
Lüften: Entweder Durchzug, zu häufig aber auch geklapptes Fenster (bei kalten Aussentemperaturen)
Heizen: Im Winter dauerhaft
Trockner/Waschmaschine: ja, im Nebenraum, Tür ist allerdings geschlossen und Trockner per Abluft direkt nach draussen. Kleines Bad mit Dusche mit Tür direkt ins Gästezimmer
Nutzung: über Nacht maximal einmal pro Monat bewohnt, häufig tagsüber für 1-2 Stunden PC-Arbeit.
Feuchtigkeitsmessung: Im Winter Luftfeuchtigkeit bei nur 40%, jetzt im Frühjahr angestiegen auf 70% bei 15° (Taupunkt unter 10°)
Vielleicht hilft das weiter!
Gruß Kai und Danke für die bisherigen Infos
Name: Kai ViselE-Mail-Adresse anzeigen
Kondenswasserausfall an Kellerwänden06.05.09
Hallo Kai,
im Winter lüften ist schon mal richtig, aber übertreiben brauch man es auch nicht. Permanent geöffnete Fenster führen zwar auch zum gewünschten Luftaustausch, aber leider auch zum vollkommenen Auskühlen der Wände und evt. zu Frostschäden an Substanz und Leitungen. Dauerhaft gekippte Fenster zum Auskühlen der Laibungen und später genau hier zum Schimmel-, Moos- oder Algenbefall. Ein Auskühlen der Deckenplatte kann sogar zu Schimmelbefall im darüber liegenden Erdgeschoss führen.
Luftaustausch im Winter: ja => auskühlen: nein.
Luftaustausch im Sommer: Nicht bei warmer Außentemperatur!
Vor allem die Bodenbereiche werden kühler und mit zunehmender Luftfeuchtigkeit (WM, Trockner, Frühling) fällt genau in den ausgekühlten Bereichen Kondensat aus - und genau hier war der Schimmelbefall sichtbar.
Der Anstieg der gemessenen Luftfeuchtigkeit im Frühling zeigt dies. Weiteres zum Lüftungsverhalten in angefügtem Link.
Beide benannten Lösungsansätze dürften an der Lage im Keller alleine nichts ändern. Wie auch immer die Außenwände behandelt werden => für die Innenwände wird das nichts bringen, die Ursache abschaffen - in diesem Falle wohl das Lüftungsverhalten ändern - erscheint sinnvoller. Versuch macht kluch :-))
Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer
Weiterführende Links:
- http://www.kornmayer.com/page1/page7/page24/page24.html
Name: Christoph KornmayerE-Mail-Adresse anzeigenhttp://www.kornmayer.com
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