Suchefunktion BAU.DE Forum Modernisierung / Sanierung / Bauschäden 4199: Verwendung von Lehmschlag zur Abdichtung an histor. Aussenwänden

Modernisierung / Sanierung / Bauschäden

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Verwendung von Lehmschlag zur Abdichtung an histor. Aussenwänden 19.12.07
Hallo!
Hat jemand Erfahrung mit der Verwendung von Lehmschlag als Abdichtung von historischem Mauerwerk im Erdbereich als Alternative zur Dränierung.
Ausführungsvorschläge, Tipps, Links, Preise, Vor- und Nachteile gegen herkömmliche Drainierung, Erfahrungsberichte....
Wäre sehr sehr dankbar für eure Hilfe!
Name: michael  

  1. ??? 19.12.07
    Wie stellen Sie sich das genau vor? moor input please
    Name: Uwe Tilgner   E-Mail-Adresse anzeigen  

  2. Das Mauerwerk wird freigelegt, Fugen ausgekrazt Pflanzenteile entfernt, ... 19.12.07
    Das Mauerwerk wird freigelegt, Fugen ausgekrazt Pflanzenteile entfernt, Neuverschlämmung und dann ca. 40 cm Lehmschlag (mit Branntkalk gemischt) an der Aussenseite an das Mauerwerk "geklatscht" um zu verhindern, dass das Mw mit Feuchte in Kontakt kommt. (Angaben stammen vom Landesamt für Denkmalpflege in Bayern)
    Laut deren Angaben soll dies eine Dräinage ersetzen !

  3. zumindest die Begründung ist "dummes Zeug" 19.12.07
    ein solcher Lehmschlag ersetzt allenfalls die konventionelle Bauwerksabdichtung entsprechend DIN 18195 bzw. entsprechend wta-Merkblatt 4-6-05/D - nicht aber eine Drainage. Drainagen fangen anstehendes Stauwasser ein und führen es ab, das macht ein solcher Lehmschlag keinesfalls. Es gibt Abdichtungsmatten aus Betonit, die nach einem ähnlichen Prinzip funktionieren wie der Lehmschlag. Bentonit quillt bei Feuchtigkeit auf und verhindert somit das Durchdringen von Wasser. Die Frage, ob ein Stroh-Lehm-Gemisch gleiches zu vollbringen vermag, löst bei mir gewisse Zweifel aus. Da brauch es wohl neben der Arbeit einen festen Glauben. Was spricht gegen die sonst bewährten Abdichtungen mit KMB, Dichtschlämme oder Bahnenabdichtungen nach DIN 18195?
    -
    Eine Drainage können Sie übrigens zusätzlich einbauen, wenn die Bodenverhältnisse eine Versickerung des gesammelten Wassers über einen Sickerschacht ermöglichen. Dazu brauchen Sie als Planungsgrundlage aber vermutlich erstmal ein Bodengutachten.
    Name: Uwe Tilgner   E-Mail-Adresse anzeigen  

  4. Lieber Herr Tilgner, ich bin selbst als Tragwerksplaner ... 19.12.07
    Lieber Herr Tilgner,
    ich bin selbst als Tragwerksplaner in der Denkmalpflege tätig und ebenfalls skeptisch gegenüber dieser Art der Abdichtung. Lt. LfD wurde und wird diese jedoch eingebaut und funktioniert. Dazu wird Lehm mit Branntkalk (ohne Stroh) gemischt und bis ca. 20 cm unter Fundamentunterkante geführt. Dieses Gemisch erhärtet dann und hält Wasser vom MW ab, somit ist eine Dräinierung nicht mehr notwendig.
    (Argutmentation LfD)
    Sie würden mir also mit Fakten und Argumente dafür oder dagegen weiterhelfen, Abdichtungsbahnen (sind bei hist. MW schlecht, KMB ? und Dichtungsschlämme ist mir selbst ein Begriff)
    Bin wie gesagt ihrer Meinung bzgl. Dräinage bzw. skeptisch bzgl. Lehmschlag als Abdichtung.

  5. @Herr Bromm 19.12.07
    Sehr spezielle Frage, die Ihnen vermutlich der WTA am besten beantworten kann. Vielleicht hilft Herr Bromm an dieser Stelle weiter.
    Name: Uwe Tilgner   E-Mail-Adresse anzeigen  

  6. Ich weiss dass das sehr speziell ist, denn ... 19.12.07
    Ich weiss dass das sehr speziell ist, denn ich finde im Netz nichts darüber. Bin neu hier im Forum, bitte klären sie mich auf:
    Wer ist der WTA und Herr Bromm, bzw. wie sind diese zu kontaktieren ?
    Danke !

  7. Infos 19.12.07
    Herr Bromm ist einer der klugen Köpfe zum Thema nachträgliche bauwerksabdichtung, als Fachberater hier im Forum immer wieder aktiv.
    Den WTA finden Sie unter http://www.wta.de
    Name: Uwe Tilgner   E-Mail-Adresse anzeigen  

  8. Danke Herr Tilgner, aber ich weiß auch nur ein klein wenig von vielen.... 19.12.07
    ..und muss genauso nachfragen, wozu das ganze?
    Meine Meinungen sind auch nicht immer mit den Lehrmeinungen identisch!
    Es sind leider viele Begriffe sehr ungenau wie z.B. Abdichtung?
    Für oder gegen was?
    Was soll eine Drainierung konkret bewirken?
    Der Wunsch ist sicher, dass das Wasser (wie Sie Herr Tilgner richtig schreiben) abgeleitet werden soll.
    Aber es wird, wenn nicht alles passt auch das Wasser an das ganze Gebäude hingeleitet.
    .
    Und was auch immer fraglich ist - glaubt denn jemand daran wenn ein grober Kies am Haus eingefüllt wird, dass dieser Bereich nicht genauso nass ist und auch bleibt - wie bei einem Lehmschlag.
    Man muss nur auf einen Kiesberg steigen und kann sehr schnell veststellen, dass nur wenig unter der Oberfläche auch alles feucht ist.
    Was soll somit das ganze?
    Name: Edmund Bromm   E-Mail-Adresse anzeigen   http://www.isarbautenschutz.com

  9. Sinn und Zweck... 19.12.07
    der GESAMTmaßnahme hinterfragen.
    Da gips also ein Bauwerk mit nassem Keller/Sockel, das unter Denkmalschutz steht.
    Nu soll was gemacht werden und die Helden der Pflege haben mal gedacht. Gedacht haben Sie vor allem Blödsinn.
    1) Sinn einer Drainung: Stauwasser abführen und somit die Belastung des Bauwerks mit Wasser verringern. (Nicht es Windeln, Herr Bromm!!!!). Da das Erdreich um das Bauwerk nicht denkmalgeschützt ist, haben die Denkmalverschützer da schon mal nur dann mitzureden, wenn einen Stauwasserableitung das Denkmal schädigen könnte, was wiederum nur bei stark schwind-/quellfähigem Boden der Fall wäre.
    2) Sinn einer Abdichting:
    Eine Abdichtung soll die Durchfeuchtung erdberührter Bauteile von aussen SICHER verhindern.
    Kann das Lehmgemisch das???
    Wenn das nicht ERWIESEN ist, mögen die Denkmalschützer auch die Haftung für ihre Angaben übernehmen. Fordert man/frau dies, ist deren Vehemenz der Forderungen oft sehr viel geringer - warum bloß
    3) Materialwahl:
    So sehr ich sinnvollen Denkmalschutz befürworte, so sehr hasse ich das sinnlose Kleben an alten Materialien, die zu ihrer Zeit nur deshalb verwandt wurden, weil es schlicht nichts besseres gab.
    Hätte den Erbauern damals schon KMB und Schweißbahn, Gel und WU-Bauteil, Injektion und Verpressen zur Verfügung gestanden, hätten die das eingesetzt und nicht Lehm.
    ****
    Wie sagte mir mal ein Teilnehmer eines Mittelalterfestivals, der Gummistiefel trug:
    Man muß die Originalität ja nicht bis zur Lungenentzündung treiben.
    Weise Worte.
    MfG
    Name: Ralf Dühlmeyer   E-Mail-Adresse anzeigen   http://www.duehlmeyer-architektur-planung.de

  10. Lehmabdichtung 19.12.07
    Gucken Sie mal unter http://www.fachwerk.de/
    Vielleicht erfahren Sie da etwas konkreteres, da man dort wahrscheinlich mehr Verständnis für historische Techniken haben dürfte.
    @ Herrn Dühlmeyer: Fragen darf man ja, es hat jeder das Recht auf seine Weise glücklich zu werden bzw. sich unglücklich zu machen?
    Name: Jens Paulsen  

  11. Anbei die Fakten 19.12.07
    Sehr geehrte Damen und Herren,
    vielen Dank für Anregungen.
    Anbei unser komplettes Gutachten mit allen Fakten.
    Ich wäre dankbar für weitere Hinweise, Argumente und Infomaterial.
    1.00: Bestandsaufnahme
    1.01: Fundamente
    Das Fundamentmauerwerk besteht aus Vollziegelmauerwerk. Die Fundamente sind auf festem Lehmboden gegründet. Die Gründungstiefe liegt bei 1,10 m bzw. 1,00 m unter Gelände.
    An der Nordseite wurde im Frostwechselbereich ein 55 cm hoher Betonsockel vorgesetzt. In ca. 85 cm Abstand zur Nordwand verläuft an der Hangseite ein 65 cm tiefer Sickergraben mit Tonsickerrohren zur Abfangung des Hangwassers. Die Ableitung des Wassers ist nicht bekannt.
    Das Niederschlagswasser aus der Dachfläche wird auf das Gelände ausgeleitet.
    2.00: Schadensaufnahme
    2.01: Fundamente
    Das Fundamentmauerwerk ist an der Nordseite (Hang) stark durchfeuchtet. Der magere Fugenmörtel ist bis zu 5 cm Tiefe durch Humuseinschlüsse ausgewaschen. Im Frostwechselbereich ist ein 55 cm hoher Betonsockel vorgesetzt. Zwischen Beton und Bestandsmauerwerk sind Einschlüsse von Erdreich vorhanden.
    Der Mörtel des Fundamentmauerwerkes hat sich an der Innenseite vollkommen aufgelöst. Die Steine sind stark durchfeuchtet und im Bereich des Langhauses auf 60 cm Höhe heraus gebrochen. Die Steine sind bis zu einer Höhe von ca. 80 cm sehr stark veralgt.
    Das Fundamentmauerwerk in der Schürfgrube an der Südseite ist feucht, der magere Kalkmörtel fest.
    3.00: Schadensursachen
    3.01: Fundamente
    Die Schäden am Fundamentmauerwerk werden durch die Einbindung in den humosen, bindigen Boden und durch die fehlende Ableitung des Niederschlagswassers hervorgerufen. Durch Feuchtigkeitsstau und Frosteinwirkung zersetzen sich der magere Mauermörtel und die Ziegelsteine. Die aufsteigende Feuchtigkeit zerstört auch Putz und Anstrich im Sockelbereich im Inneren.
    4.00: Sanierungsmassnahmen
    4.01: Fundamente
    Die Fundamente werden bis zur Unterkante in Abschnitten entsprechend DIN 4123 freigelegt. Alle Verunreinigungen, Humus- und Wurzeleinschlüsse werden entfernt. Morsche Mauerziegel werden im Format des Bestandes ausgewechselt und die Mauerfugen steinbündig geschlossen. Die vorgesetzte Betonschale wird vorsichtig in kurzen Abschnitten vom vorhandenen Mauerwerk gelöst und ausgebaut.
    Das Fundamentmauerwerk wird vollfugig verwaschelt. Um das gesamte Gebäude wird eine Ringdränage aus Teilsickerrohren mit Kontroll- und Reinigungsschächten angelegt.
    Das Niederschlagswasser wird gefasst und möglichst schnell vom Gebäude weggeleitet. Dazu wird auf einem Betongerinne ein Teilsickerrohr mit Anschluss an die Entwässerung verlegt. Darüber wird ein Grobkieskoffer aufgebracht, welcher mit einem Filtervlies gegen das Einschwemmen von Feinstkörpern aus dem anstehenden Boden geschützt wird. Darüber kann die Grasnarbe bis an die Wand geführt werden. Ein Randstreifen von ca. 30 cm Breite wird als Magerrasen auf einem Schotterbett mit entsprechend höherer Wasserdurchlässigkeit ausgebildet. Für die Kontrolle und Reinigung der Dränageleitung werden Schächte angeordnet.
    Die Fallrohre werden an frostfrei verlegte Grundleitungen angeschlossen. Für die Nutzung wird eine grundbuchamtliche Eintragung empfohlen.
    Das von der Hangseite zufließende Oberflächenwasser wird in mindestens 3,00 m Abstand vor der Wand in einem Sickergraben aufgefangen. Das Gelände wird in einem leichten Gefälle zum Sickergraben abgesenkt. Das Wasser muss in einem Sickergraben aus Grobmaterial mit Filtervlies und einem Dränagerohr aufgefangen und in die Entwässerung abgeleitet werden.
    Das Aufbringen eines Lehmschlages auf das Fundamentmauerwerk, welches bei dem Ortstermin am 31.07.2007 vorgeschlagen wurde, entspricht etwa dem vorhandenen Bestand. Ich halte diese Lösung für nicht ausreichend Erfolg versprechend, da insbesondere an der Hangseite das gesamte Fundamentmauerwerk so stark durchfeuchtet und von Algen durchsetzt ist, dass sich das Fundamentmauerwerk an der Innenseite bereits auf die gesamte Wandstärke aufgelöst hat. Außerdem liegt das nordseitige Gelände ca. 70 cm über dem Fußboden der Kirche. Bei der Durchführung der Fundamentsanierung muss ausserdem beachtet werden, dass das Erdreich entsprechend DIN 4123 nur bis zu einer Resteinbindetiefe der Fundamente von 50 cm ausgeführt werden darf. Dies bedeutet, dass eine Fundamentinstandsetzung auf die gesamte Fundamenttiefe nur ausführbar ist, wenn zusätzlich eine Betonsohle als Grundbruchsicherung in Einzelabschnitten eíngebaut wird.
    Der Fußboden wird ca. 40 cm tief ausgekoffert und durch eine kapillarbrechende Schotterschicht ersetzt. Darüber wird eine 8 cm starke Einkornbetonschicht aufgebracht.

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