Ökologisches und biologisches Bauen

Nachhaltigkeit - wen interessiert's?

Sehr geehrte Damen und Herren,
ich habe vor zwei Wochen meine Arbeit als Referentin für Nachhaltigkeit im bauforumstahl aufgenommen und nun mit Erschrecken festgestellt, dass die "Nachhaltigkeits-Menschen" scheinbar in einer ganz eigenen Welt leben, die von den wirklichen Planern und Bauenden gar nicht wahrgenommen wird. Nun frage ich mich natürlich, woran es liegt, dass sich keiner für das Thema interessiert. Hohe Kosten, Wirtschaftskrise, zu kompliziert oder doch "einfach egal"?
Was meinen Sie dazu, was interessiert sie bei dem Aspekt, was finden Sie gut oder schlecht, was müsste getan werden, um Ihnen das Thema "Nachhaltiges Bauen" näher zu bringen, oder halten Sie das ganze nur für eine Modeerscheinung?
Ich würde mich sehr über Antworten von Bauenden, Planenden und Interessierten (oder auch Uninteressierten) freuen.
Mit freundlichem Gruß, http://bauforumstahl.de

Name:

  • D. Fischer
  1. Ich fürchte, niemanden wirklich ...

    De facto baut die grosse Mehrheit in Mitteleuropa so, als ob es unbeschränkt Land und Rohstoffe gäbe. Rückbau ist kein Thema - das fängt bei Dingen wie 20 cm-Betonbodenplatten für das Gartenhäuschen an und hört beim kubikmeterweisen Einsatz von Dämmstoffen, von denen niemand weiss, was einmal daraus wird, leider noch lange nicht auf. Nachhaltig ist weder der Kulturlandverbrauch noch die Erschliessung der - ohne Auto unbewohnbaren - Einfamilienhausquartiere, noch der Energieaufwand für Klima und Heizung, noch viele der verwendeten Baustoffe, noch die finanzielle Belastung vieler Bauherren für Luxusbäder und dergleichen.
    Insofern ist die Bautätigkeit ein Abbild der Gesellschaft - technisch spitze, ästhetisch, sozial und umweltbezogen ziemlich traurig.
    Schade, es könnte anders sein.

  2. Doch, es interessiert!

    Was ist Nachhaltigkeit?
    Im Jahr 40 Millionen Quatratmeter Styopor (Polystyrolplatten) auf die Außenwände zu kleben, ist das nachhaltig?
    Wohl kaum!
    Sondermüll ohne Nutzen!
    In meinem Buch: "Dämmbaustil oder Baumeisterkunst" befasse ich mich umfassend mit der Fragwürdigkeit des U-Werts und mit den anscheinend "klimaschonenden" Energiesparmaßnahmen.
    Die EnEVA ist ein Moloch, das Grab für das Bauen in Deutschland.
    Aber es gibt eine ungeahnte Rückantwort auf mein Buch.
    Es werden immer mehr Menschen, die sich um die EnEV nicht kümmern. In den §§ 24 Ausnahmen und 25 Befreiungen steht ausdrücklich, das Maßnahmen wirtschaftlich sein müssen oder zu unterbeleiben haben.
    Dämmung auf die Außenwand oder mal schnell Fenster wechseln,
    kostet viel Geld und nur die Industrie verdient daran!
    Ich baue gerade ein Haus in Nürnberg um!
    Das ist Nachhaltigkeit!
    Optimistische Grüsse aus dem Leinebergland http://www.das-2punkt1-haus.de

    Name:

    • Christoph Jaskulski
  3. Klarstellung ...

    Kein vernünftiger Mensch kann etwas gegen Wärmedämmung an sich haben - er müsste dann konsequenterweise auch im Winter in der Badehose draussen herumlaufen.
    Wie und womit man dämmt, ist eine andere Frage.

  4. Natürlich-umweltbewusstes Bauen

    na so arg Randgesellschaft "Nachhaltigkeits-Menschen" ist das auch nicht mehr. Vor 10 oder gar 20 Jahren war das noch viel schlimmer.
    Wenn Sie heute in einen Fachbuchhandel blicken finden Sie eine ganze Menge Lektüre für nachhaltige oder nennen wir es mal (noch) alternative Bauweisen. Was zwischen ca. 1930 und 1980 noch ganz anders dargestellt war. Auch die Negativstimmungmache, dass Ökobaustoffe wesentlich teurer sind, zählt nicht wirklich. Vor allem dann, wenn man auch die Entsorgung von bestimmten Bauprodukten betrachtet. Viele haben wohl schon bemerkt, dass die synthetischen Produkte in Punkto Entsorgung alles andere als "billig" sind. Dass sich immer mehr Fachleute auch gezielt Gedanken zu "gesünderen" Produkten machen belegen auch zahlreiche Gruppe in Sozialen Netzwerken, nur als Beispiel die Gruppe "Natürliche und pflanzliche Baustoffe" bei Xing - siehe http://www.xing.com/group-38005.f4041b
    Die Entwicklung ist aus meinem Blickwinkel äusserst positiv und läuft in die richtige Richtung.
    Übrigens auch in der herstellenden Industrie ist recht deutlich zu sehen, dass sich etwas bewegt. Als Beispiel muss man sich nur Steico ansehen, deren Verkaufszahlen immer noch einen zulegen oder die Vergrößerung von Pavatex oder Auro-Farben in den letzten Jahren.
    Schlimm halte ich den Dämmwahn, der bekanntlich auch von gesetzlichem Wege her immer weiter auf die Spitze getrieben wird - auch wenn mich nun der ein oder andere Kollege "an die Wand stellt" - ich halte 20 oder 30 cm und mehr Polysterol oder Polyurethan an der Fassade für absoluten Schwachsinn. Meine Meinung liegt hier eher in der vernünftigen Zusammenstellung vom Gesamten. Die Nutzung der Sonnenenergie, der Erdwärme, gesunde Baustoffen wie Lehmputzen und Dämmstoffen aus Pflanzenrohstoffen oder althergebrachte Farben und Lacke aus mineralischen Pigmenten oder pflanzlichen Farbstoffen mit Kalken, Leinölen etc. Gut im Industriebau nicht überall machbar aber beim gewöhnlichen Wohnhausbau durchaus.


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