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Energiesparendes Bauen / Niedrigenergiehaus

KfW-70-Haus nicht winddicht - Innenwände mit Außenwänden "verzahnt"

Guten Tag!
wir haben 2009/2010 ein KFWA-70 Haus (Poroton + WDVSA) erbauen lassen. Es gab viele Probleme und Reibereien. Dadurch wurde es versäumt einen Blower Door-Test in der Rohbauphase machen zu lassen. Jetzt haben wir dies (nach Einzug) nachgeholt, da wir immer wieder den Eindruck hatten "es zieht". Im Test schaffte das Haus zwar gerade die vorgeschriebene Mindestnorm. Bei der Untersuchung des Hauses nach Schwachstellen wurden aber doch einige Bereiche gefunden, in denen der Wind durchzog. Besonders betroffen sind hievon die Steckdosen. Was uns erstaunte war, dass dies nicht nur die Steckdosen in Außenwänden, sondern auch in Innenwänden betrifft. Bei Durchsicht unserer Laienfotos für das Familienalbum fiel uns jetzt auf, dass die meisten Innenwände mit den Außenwänden "verzahnt" sind, d.h. in jeder zweiten Reihe ist der erste Stein der Innenwand gleichzeitig ein Bestandteil der Aussenwand.
Ist das normal?
Hätte die Innenwand nicht besser nach Abdichtung der Aussenwand an diese angebaut werden müssen?
Wer hätte Elektriker und Tischler informieren müssen, dass auch im Bereich der Innenwände "winddicht" gearbeitet werden muß?
Im Voraus vielen Dank für Antworten.
Gruß
Michaela aus Niedersachsen

Name:

  • Michaela
  1. Hochlochziegel-Elektriker

    Das sind typische Erscheinungen, die bei Hochlochziegelbauten im Zusammenhang mit Steckdosen sehr häufig auftreten.
    Wenn es jetzt darum geht, einen Schuldigen zu suchen, müssen Sie aber sorgfältig prüfen, ob es sich um tatsächliche Mängel handelt.
    Ein Indiz, dass die Zugerscheinungen keine Mängel sind, ist der, dass die Luftwechselrate insgesamt eingehalten wurde. Daher schreiben Sie doch bitte die Ergebnisse des Tests, den n50-Wert und das zugehörige Luftvolumen hier rein.
    Im Streitfall wird zu klären sein, wie weit die verbliebenen Leckagen die Behaglichkeit stören. Eine Messung der Luftgeschwindigkeit an der Steckdose ist wegen Düseneffekten oft nicht aussagekräftig. Es sind auch keine zulässigen Werte für solche Messungen an der Steckdose festgelegt. Ich habe schon erlebt, dass gerichtsbestellte Sachverständige dass aus gebrauchsüblichem Abstand bewerten. Also während des Blowerdoortests nicht an der Steckdose prüfen, ob es da zieht, sondern ob es in 1 m Entfernung unangenehme Zugerscheinungen gibt. Wenn es die nicht gibt, ist kein Mangel da. Wiederum sind mir andere Entscheidungen bekannt worden, dass alles als Mangel gilt, was mit einfachen handwerklichen Mitteln hätte vermieden werden können. So ist es ein einfaches Mittel, dass der Elektriker luftdichte Dosen verwendet oder die Dosen satt luftdicht einmörtelt. Bei dieser Sichtweise wären alle ziehenden Dosen ein Mangel.
    Nun zu den Innenwänden. Die Verzahnung mit den Außenwänden ist vermutlich nicht ursächlich. Ursächlich für ziehende Dosen in Innenwänden ist häufig, dass über Kabelschlitze, Leerrohre etc. eine Luftverbindung aus der luftdichten Hülle heraus besteht, z.B. in den Keller oder Spitzboden. Innenwände aus Hochlochziegeln unter Holzbalkendecken oder im Dach durchstoßen bei solchen Problemen häufig Dampfsperrfolien und sind am Wandkopf nicht durch Betonkopfbalken oder Mörtel gedeckelt. Die offenen Hochlochziegel ragen in belüftete Bereiche, wodurch es auch zu Konvektionsschäden in der Dämmung kommen kann. Hier wäre es also unsinnig, zu verlangen, dass alle Innensteckdosen einzeln abgedichtet werden. Man muss die Ursache abstellen, also den falschen Dampfsperrenanschluss / die fehlende Deckelung am Wandkopf. Das kann, sofern diese Mängel nachweisbar sind, zu erheblichen Mängelbeseitigungskosten führen. Wenn Sie dort also Mängel anzeigen wollen, wäre es sinnvoll, dass Sie einen Sachverstänigen hinzuziehen, der sich in dieser Thematik auskennt und die ursächlichen Mängel findet und dokumnetiert.
    Es kann also sein, dass Sie mit der Mängelbehauptung der ziehenden Steckdosen an Innenwänden nichts erreichen, falls die Zugerscheinungen sich für einen gerichtsbestellten SV als vernachlässigbar sind. Dann hätten Sie im Streitfall nur unnötige Kosten verursacht. Ganz anders kann es ausgehen, wenn Sie die Ursache erkunden lassen und z.B. die Ursachen, z. B. falsch angebrachte Dampfsperren und nicht gedeckelte Hochlochziegelwände bemängeln.
    Wer nun wen hätte informieren sollen, hängt von den vertraglichen Verhältnissen ab. Wer hat geplant? Wer hat gebaut/bauen lassen?Dazu haben Sie nichts geschrieben.

  2. Hallo Herr Lott, vielen Dank für ...

    ... Hallo Herr Lott,
    vielen Dank für Ihre umfassende Antwort.
    Die zugigen Steckdosen sind leider auch im Alltag spürbar. So sitze ich jetzt am Schreibtisch und spüre kalten Zug an den Beinen...
    Dem Hinweis auf die evtl. aber noch ganz woanders liegende Ursache für die zugigen Steckdosen werden wir nachgehen. Wir warten jetzt noch auf das schriftliche Gutachten zu der Messung und werden uns dann einen Sachverständigen suchen.
    Und diese Bauweise, dass die Innenwände so "verzahnt" mit der Außenwand sind, ist für Sie durchaus normal und in einem KFWA-70 Haus also nicht per se ein Fehler?
    Einen schönen Abend!
    Michaela

    Name:

    • Michaela
  3. Nein

    Verzahnung ist kein Verstoß gegen technische Regeln. Steckdosenzug bei Innenwände kann die o.g. Gründe haben. Das ist durch eine Verzahnung kommt ist unwahrscheinlich.

  4. Danke!

    Vielen Dank für Ihre Hilfe!
    Michaela

    Name:

    • Michaela
  5. Da...

    ...sieht man wieder, wo "hochmodernes Bauen" endet!
    Hunderttausende Euros ausgegeben, Probleme und Reibereien und nun wird weiter gezahlt.
    Seit Jahrhunderten werden Innenwände mit Außenwänden verzahnt! http://www.das-2punkt1-haus.de


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